Kinderoase an der TUM mit markanter Cortenstahlfassade auf dem Campus in München.

Listicle: Innovation und Architektur

Echte Hingucker

Innovative Firmen geben sich gerne ein repräsentatives Umfeld. In ultramodernen Bürokomplexen genauso, wie im historischen Prunkstück. Selbst die Allerkleinsten Münchner*innen erforschen die Welt schon im visionären Kita-Neubau eines internationalen Stararchitekten. Die neun vielleicht stylischsten Creative Hubs und Architekturen der Stadt.

Werksviertel: Bürokomplex i8

Im gesamten Werksviertel rund um den Münchner Ostbahnhof ist zukunftsweisende und interessante Architektur zuhause. Seit Anfang des neuen Jahrtausends wird das ehemalige Industriegelände, wo bis 2018 noch in großem Stil Party gefeiert wurde, behutsam in ein modernes Stadtquartier umgewandelt, in dem Wohnen, Arbeiten, Leben und Kultur sich verbinden. 2023 wurde das Projekt dafür mit dem Deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet. Der „iCampus“ ist einer der zentralen Standorte dort. Das „i“ steht für Innovation, geplant sind insgesamt zehn Gebäude von „i1“ bis „i10“. 2025 fertiggestellt wurde der Bürokomplex i8, er ist das erste Holz-Hybrid-Gebäude Münchens, entworfen von C.F. Møller Architects.

Im Inneren sorgt Buchenholz für eine helle und warme Atmosphäre. Die Fassade besteht aus recyceltem eloxiertem Aluminium in einem gedämpften Grünton, wohltuend in einem städtischen Umfeld, in dem es die Farben des Waldes aufgreift. Das Fassadensystem wirkt sich in vielerlei Hinsicht günstig aus. So dient es der Einsparung von Energie, reduziert Lärm und sorgt vor allem für ein gutes Innenklima mit ausreichend Tageslicht und guter Akustik. Mieter wie das amerikanische Technologie-Unternehmen Synopsys und LinkedIn Germany wissen diese Vorteile zu schätzen.

www.werksviertel.de

Werksviertel-Mitte: VePa Parkturm

„Platz für Menschen statt für Autos“ lautet die Devise der beiden Gründer, die VePa 2021 in München ins Leben riefen. Mit dem Vepa-Parkturm im Werksviertel-Mitte wurde Europas erster öffentlicher Parkturm mit integrierter Ladeinfrastruktur eröffnet. In seinem Inneren haben zwölf Autos inklusive Ladepunkten auf nur 49 Quadratmetern Grundfläche Platz. Und so soll es weitergehen. Das Ziel ist, ab 2028 wöchentlich einen neuen Parkturm zu eröffnen – nicht nur in München – um durch dieses vertikale Parksystem mehr Raum zu schaffen für Wohnen, Grünflächen und Begegnung.

Mit seiner Kunstfassade, die von einer einer Künstlerin des benachbarten Werksviertel-Mitte-gestaltet wurde, fügt sich der Parkturm nahtlos in das urbane Stadtbild ein und erfreut den Betrachtenden.

www.vepa.space.de

 

Maxvorstadt: Kinderoase der Technischen Universität München (TUM)

Was sich in Rostorange so abenteuerlich von den benachbarten Allerweltsbauten an der Gabelsbergerstraße im Univiertel abhebt, ist die Kinderoase der Technischen Universität München (TUM). Sie ist das neueste architektonische Highlight im Kunstareal der Maxvorstadt und das erste dauerhafte Gebäude von Star-Architekt und TUM-Professor Francis Kéré in Europa. Künftig wird hier der Nachwuchs von TUM-Angehörigen betreut werden. Kéré wurde 2022 mit dem Pritzker-Preis, auch „Nobelpreis für Architektur“ genannt, ausgezeichnet und ist Professor an der TUM für Architectural Design and Participation. 

Für den Bau der Kita hat er sich in die Perspektive der Kindergartenkinder versetzt. Im Mittelpunkt des Entwurfs steht ein vertikaler Spielplatz an der Nordfassade des Gebäudes. Rutschen verbinden die einzelnen Ebenen und machen den Weg ins darunterliegende Geschoss zu einem spielerischen Erlebnis. Gleichzeitig dient dieser Bereich als akustischer Puffer und schützt die dahinterliegenden Gruppenräume vor dem Straßenlärm der Gabelsbergerstraße.

www.tum.de

Altstadt: Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb

2026 ist das Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb an den Karlsplatz (Stachus) gezogen, direkt an eines der verbliebenen drei historischen Eingangstore zur Münchner Altstadt. Forschende aus aller Welt untersuchen hier die Gesetzmäßigkeiten von Innovation und Wettbewerb und arbeiten an Regeln für einen fairen Wettbewerb. Die Ergebnisse kommen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen zugute. Das gesamte Untergeschoss wird für die 250 000 Bände starke juristische Bibliothek des Instituts genutzt. In dem denkmalgeschützen Traditionshaus war zuletzt Karstadt Sport der Mieter. Nach aufwändigen Umbauarbeiten trägt das Gebäude nun den Namen Herzog Max, nach dem bayerischen Herzog, der im 17. Jahrhundert nicht weit von hier seine Münchner Residenz, die Maxburg, unterhielt. Das Institut teilt sich das Gebäude mit dem Einzelhandel, Büros und Gastronomiebetrieben.

www.ip.mpg.de

 

München-Riem: Brainlab

Das letzte Flugzeug hob am 16. Mai 1992 um kurz vor Mitternacht ab. Dann zog der Flughafen in einer einzigen Nacht ins Erdinger Moos um. An den alten Flughafen in München-Riem erinnert bis heute der markante Kontrollturm, der für die einen rot ist und für die anderen rostbraun. Eigentlich ist die Farbe eher eine Art von Altrosa.

Seit 2017 befindet sich hier der Hauptsitz von Brainlab. Das Unternehmen, das 1989 vom Münchner Stefan Vilsmeier als Startup mit kleinem Startkapital gegründet wurde, hat sich zu einem weltweit führenden Unternehmen in den Bereichen softwaregestützter Medizintechnologie entwickelt. Der alte Kontrollturm wurde über vier Brücken mit einem modernen neuen Hauptgebäude verbunden, das vom Aachener Büro Kadawittfeldarchitekten mit pmp Architelkten entworfen wurde.

www.brainlab.de

 

Maxvorstadt: Bürokomplex Karl München

Die Firma Apple streckt ihre Fühler immer weiter in Richtung München aus. Für ihr neues Innovationszentrum haben sie sich im KARL, einem kubistischen Büroneubau im ehemaligen Brauereiquartier der Maxvorstadt eingemietet. Das von außen sehr sachlich und nüchtern wirkende Bürogebäude trägt die Handschrift von David Chipperfield, einem der international gefragtesten Architekten der Gegenwart und Gewinner des Pritzker-Preises 2023.

Die Gestaltung des 1.600 m² großen Gartenhofes als Ort der Kommunikation und Begegnung, übernahm der nicht minder bekannte und ebenfalls preisgekrönte Landschaftsarchitekt Enzo Enea. Neben Büros in Rapperswil-Jona, Zürich, Miami und New York unterhält er auch ein weltweit einmaliges Baummuseum am Oberen Zürichsee.

 

Maxvorstadt: Munich Urban Colab

Im Munich Urban Colab geht man der Frage nach, wie man Städte gestalten kann, damit sie den Anforderungen der Zukunft gewachsen sind und dabei lebenswert bleiben. Weil diese Aufgabe nicht im Alleingang zu stemmen ist, haben sich hier etablierte Firmen wie SAP, Infineon und BMW mit Start-ups, der Wissenschaft und der Münchner Stadtverwaltung zusammengetan und ein starkes und erfolgreiches Netzwerk geschaffen. 

Das Gebäude aus der Feder des Architekturbüros Steidle Architekten schafft eine Bühne für kreatives Schaffen und trägt der Lage inmitten des sich im Aufbruch befindlichen Münchner Kreativquartiers mit Industriedenkmälern aus den 1920er Jahren, wie der Tonnen- und Jutierhalle, Rechnung. Bewusst hat man sich bei der Gestaltung an klassischen Industriebauten orientiert. Die Transparenz des Gebäudes spiegelt den Gedanken des Teilens von Erfahrung und Wissen und die hohe Bereitschaft sich zu vernetzen: Alles ist einsehbar, nichts geschieht hier hinter verschlossenen Bürotüren.  

www.munich-urban-colab.de

 

Olympiapark: BMW Welt

Das Dreigestirn aus BMW Konzernzentrale, BMW Museum und BMW Welt und der benachbarte Olympiapark sind längst zu architektonischen Wahrzeichen der Landeshauptstadt München geworden. Das Markenerlebnis- und Auslieferungszentrum des BMW Konzerns, die BMW Welt, ist mit ihren jährlich etwa zwei Millionen Besucher*innen die beliebteste Sehenswürdigkeit in ganz Bayern und steht unter Denkmalschutz. 

Geschaffen wurde sie vom Wiener Architektenteam Coop Himmelb(l)au, das in München auch für den Erweiterungsbau der Kunstakademie verantwortlich zeichnet. Der futuristische Bau ist über eine Brücke mit der Konzernzentrale und dem BMW Museum verbunden. Besonders spektakulär anzusehen ist der rund 30 Meter hohe Doppelkegel des Gebäudes, der die Grenzen des architektonisch Machbaren ausreizt. In einer spiralförmigen Bewegung zieht er sich vom Boden bis in die Überdachung. 680 Tonnen Stahl wurden hierfür verbaut. 

www.bmw-welt.com

 

Altstadt/Maxvorstadt: Siemens AG

Seit über zehn Jahren gibt es nun die zwischen Brienner Staße und Altstadtring gelegene neue Siemens-Zentrale. Das dänischen Architekturbüro Henning Larsen Architects erhielt den Zuschlag für sein Vorhaben, die Tradition des Unternehmens mit der Zukunft zu verbinden und ein inspirierendes Arbeitsumfeld für die rund 1.700 Menschen zu schaffen, die hier arbeiten. Der Neubau erfüllt die weltweit höchsten Standards für Nachhaltigkeit: So wird er ausschließlich mit regenerativen Energien betrieben. Das historische Palais Ludwig Ferdinand, bis dahin Firmensitz von Siemens und sein Nachbargebäude wurden saniert und nahtlos in den hochmodernen Neubau integriert.

Das Erdgeschoss mit den grünen Innenhöfen und dem Wasserspiel, das firmeneigene Café und das Restaurant sind für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Mit der neuen Siemens-Passage ist ein Fußweg zwischen der Münchner Innenstadt und dem Kunstareal in der Maxvorstadt entstanden. Einen Vorgeschmack auf die große Kunst unter anderem in den weltberühmten Pinakotheken geben zwei Kunstwerke, die Siemens für seine Zentrale erworben hat. Im Atrium steht für alle zugänglich die „Schwesterngruppe“ von Georg Baselitz und vor dem Haupteingang „Wings“, ein Werk des US-amerikanischen Künstlers Daniel Libeskind 

www.siemens.com

 

 

Text: Karoline Graf; Fotos: Frank Stolle, Andreas Heddergott
Modell aus bunten durchsichtigen Plastikquadraten, die im Deutschen Musem in München zur Illustration chemischer Strukturen eingesetzt werden.
Trends, Visionen & Ideen

Kreativ- & Innovationsstandort München

In München entsteht ständig Neues: Die Stadt zählt zu den dynamischsten Innovations- und Kreativstandorten Europas. Es sind vor allem junge Menschen, die diese Dynamik tragen und München als Ort für Ideen und Experimente sehen. Wir haben die wichtigsten Impulse, Köpfe und Konzepte rund um Design, Architektur, Kulinarik und Kunst, die die Stadt prägen und vorantreiben, kompakt zusammengefasst. Die Übersicht zeigt, wie neue Trends entstehen, wer die Stadt gestalterisch verändert und wo innovative Projekte ihren Anfang nehmen. Ein Einblick in eine Stadt im Wandel – für alle, die das moderne München entdecken, sich inspirieren lassen oder einfach wissen wollen, was die Szene bewegt.