Unsere Gästeführerin, die Kunsthistorikerin Ina Müller, nimmt Sie mit zu einigen der schönsten und bedeutendsten Zeugnisse des Münchner Jugendstils in den Stadtvierteln, darunter auch das vermutlich erste Jugendstilhaus in ganz Deutschland.
Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Ina Müller und seit 2003 bin ich als zertifizierte Gästeführerin der Landeshauptstadt München mit Gästen aus aller Welt unterwegs. Der Jugendstil hat mich immer begeistert: die überraschend bunten Häuser mit architektonischen Details zum Verlieben, die schwingenden Formen des Kunsthandwerks und die Schönheit und Qualität von Material und Verarbeitung. Für einen Zeitraum von etwa 20 Jahren prägte dieser Stil Kunst, Architektur und Design in ganz Europa und setzte neue Akzente im Bezug auf gesellschaftliche Konventionen. München galt neben Wien, Nancy, Prag und Barcelona als eine Hochburg des Jugendstils. Um ihn richtig einordnen zu können, lohnt es sich, einen Blick auf die Zeit zu werfen, in der er entstand. Ein wichtiger Aspekt war die Abkehr von der industriellen Fertigung, die um 1900 einen Höhepunkt erreicht hatte. Die Künstler des Jugendstils gaben dem Handwerk den Vorrang: Qualität bis ins kleinste Detail, das gilt es zu entdecken. Und das kann ich Ihnen hier an ausgewählten Beispielen zeigen.
Das Haus Leopoldstraße Nr. 77 an der Münchner Freiheit verdanken wir dem Architekten Martin Dülfer. Dülfer ist einer der namhaften Architekten des Jugendstils in München. Er hat das Haus in den Jahren 1900-1902 gebaut und bis 1906 bewohnt. Er war ein Ausnahmekünstler, der nach seiner Hochschulausbildung nach München kam: ins Atelier von Friedrich von Thiersch, einem prominenten Vertreter des Historismus.
Schon hier ist Dülfer mit neuen Ideen aufgefallen. Die neobarocke Fassade des Palais Bernheimer am Lenbachplatz, an der Grenze der Münchner Altstadt zur Maxvorstadt, stattete er beispielsweise mit sichtbaren Eisenträgern aus. Das war etwas unerhört Neues in dieser Zeit – und mit ähnlich ungewöhnlichen Ideen hat Dülfer seinen weiteren Weg genommen.
In München gab er dem Jugendstil ein unverwechselbares Gesicht, dabei setzte er vor allen Dingen die Fassaden der Mietshäuser in Szene. Sie sind in der Regel viergeschossig mit einem ausgebauten Dach. Dülfers Fassade erhält mit Riffelputz ein lebendiges Oberflächenrelief. Der raue Riffelputz kontrastiert mit glatten Wandpartien, die häufig die Funktion von gliedernden Pilastern (Wandpfeilern) übernehmen.
Dülfer belebt die Flächen mit Ornamenten, meist floralen Ursprungs: stilisierte Bäume mit grünen Blättern und roten Früchten oder sehr markante, kräftig sprießende Akanthusranken, dazwischen Sonnenblumen. Alles sparsam gesetzt und farbig gestaltet. Die bunten Ornamente heben sich als lebendiger Blickfang von der grauen Fläche ab. Auffallend ist außerdem: Die Fassade ist asymmetrisch. Ein typisches Merkmal des Jugendstils. Das ist hier insofern bemerkenswert, weil Martin Dülfer keine Rücksicht auf das Nachbarhaus nahm. Dieses hat eine historistische Fassade, ganz geradlinig und streng. Dem hat Dülfer selbstbewusst einen prägnanten, lebendigen Akzent entgegengesetzt.
Für Viele ist der Jugendstil ein Zeitabschnitt, in dem es darum ging, Häuser schön zu dekorieren, ein paar Schnörkel zu gestalten, Arabesken, Blumen und fließende Formen. Aber: Jugendstil ist weit mehr. Jugendstil ist Lebensausdruck. Jugendstil spannt einen großen Bogen von der Architektur, über Malerei und Bildhauerkunst, Ausstattungen von Räumen und Möbelkunst bis hin zu Tischgeräten, Tafelsilber und Mode – alle Lebensbereiche sind eingeschlossen. Echtheit des Materials, handwerkliche Güte und Ehrlichkeit des Designs sind Maßstab der Arbeiten.
Der Name Jugendstil stammt von der Zeitschrift „Die Jugend“, die ab 1896 vom Verleger Georg Hirth herausgegeben wurde. Eine Zeitschrift für Kunst und Leben, empörend frechen Inhalts und im Erscheinungsbild von enormer Wandlungsfähigkeit. Sowohl die Typologie als auch die Titelblätter, die ganze Aufmachung dieser Zeitschrift war von Woche zu Woche anders – Gestaltung und Inhalt immer wieder aufregend neu. Die Bezeichnung „Jugendstil“ trifft deshalb am allerbesten diese Zeit faszinierender Vielfalt und Ausdruckskraft.
Schenkt man allein den Fenstern, ihren Formen, den Rahmungen oder den eleganten Gittern der Balkone der Fassade Franz-Joseph-Straße 19 seine Aufmerksamkeit, erhält man eine eindrückliche Idee vom Reichtum der Gestaltung dieser Zeit.
Schon auf der Straßenseite der ehemaligen Pfauenapotheke in Schwabing begegneten uns die Namen gebenden Tiere des Hauses und quasi auch „Wappentiere“ des Jugendstils, die Pfauen. Die strenge Fassade der Gartenseite (Zugang über den Luitpoldpark um die Ecke) überrascht mit üppigen, kräftig bunten Fruchtgirlanden und einer wilden Jagd von Hunden auf Hasen im Akanthuswald: Beide Motive sind schon in der Barockzeit zu finden und erinnern an den üppigen italienischen oder den Wessobrunner Stuck. In der barocken Theatinerkirche am Odeonsplatz in München finden sich Beispiele für Fruchtgirlanden in weißem italienischen Stuck; im Tassilosaal von Kloster Wessobrunn bei Weilheim in Oberbayern kann man eine ganz ähnliche, ebenfalls in Stuck gefasste, Jagdszene entdecken.
Die beiden Pfauen unter dem Giebel wiederum, die sich mit elegant nach hinten gebogenen Hälsen gegenüberstehen, kennen wir als Leitmotiv des Jugendstils. Ornamente von Jugendstil und Barock gehen bei diesem Haus eine überraschende Symbiose ein, man kann sogar von „barockisierendem“ Jugendstil sprechen. Zeitgleich existierte eine floral-dekorative Richtung oder auch eine Richtung des Jugendstils, bei der architektonische Strenge den Vorrang hatte – der Vielfalt von Münchens Bauten um 1900 sind keine Grenzen gesetzt.
Das Eckhaus stammt aus der Feder des Architekten Max Langheinrich, der dem Baubüro von Martin Dülfer angehörte. Gleichzeitig war Langheinrich Mitglied des legendären Ensembles von „Die Elf Scharfrichter“. Als erstes politisches Kabarett in Deutschland war es in der Zeit von 1901 bis 1904 in der Türkenstraße beheimatet und ein richtiger Publikumsmagnet.
Das Gebäude Franz-Joseph-Straße 23 zeigt eine strenge Variante des Jugendstils. Man sieht hier, dass sich das Neue aus dem Historismus entwickelt hat. Die feinen Akzente, wie bunte Säulen und farbig gefasste Balkone sowie die markante Asymmetrie der geschweiften Dachlandschaft brechen jedoch mit der Tradition des Alten.
Die Ainmillerstraße 22 ist sicher das berühmteste Jugendstilhaus in München: aufgrund der pointierten Farbigkeit, der eigenwilligen Exotik und ungewohnten Gestaltung fällt es auf. Zwei Amerikaner, die Architekten Henry Helbig und Ernst Haiger, haben diese Fassade entworfen. Lang gezogene Rundbogenfenster, gerahmt von Pilastern, strukturieren die Fassade. Effektvoll kommt der Dreiklang der Farben Bordeaux, Türkis und Gold zur Geltung.
Die Fenstergitter sind in einem dunklen Bordeauxton gefasst, der sich in den Kanneluren (Rillen) der Pilaster wiederholt. Dazu gesellen sich ein freches Türkis und ein strahlendes Gold als Farben der Pflanzen: Türkisfarbig bemalte Akanthusblätter, kraftvoll emporwachsend, dazwischen „Sonnenscheiben“ in Form von Sonnenblumen bringen Frische auf die Fassade. Vom Scheitel der Fensterlaibungen schauen skurrile Masken herab, die die Fantasie anregen. Sie lassen an ägyptische, vielleicht auch römische Motive denken.
Im Erdgeschoss überrascht die Begegnung von Adam und Eva auf einem großen Relief. Beide liegen lang gestreckt und entspannt einander gegenüber unter dem Baum des Paradieses. In diesem winden sich unheilvoll zwei Schlangen. Ruhig präsentiert Eva ihrem Adam einen Apfel. Im Gleichklang ihrer Körper und Gesten zeigt sich die Einigkeit ihres Handelns – Konsequenzen haben sie ausgeblendet – und die Geschichte nimmt ihren Lauf.
Der Architekt Henry Helbig war vor seiner Münchner Zeit in Chicago und hat dort nach dem großen Stadtbrand des Jahres 1871 den Bauboom der Metropole erlebt. Es gibt Hochhäuser in Chicago, die von der italienischen Renaissance beeinflusst sind: das Motiv der hohen Bogenfenster, die auch die Fassade in der Ainmillerstraße so markant strukturieren, stammt sehr wahrscheinlich von dort. Wieder ein Indiz dafür, dass viele unterschiedliche Einflüsse kreativ verarbeitet wurden zu neuen, innovativen Formen.
Ganz in der Nähe, in der Ainmillerstraße 32 und 36, haben Familie Klee und Wassily Kandinsky mit Gabriele Münter gelebt. Ihre Wohnungen sind leider nicht erhalten. Farbenfrohe Bilder der Künstlergruppe Blauer Reiter, heute in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus zu sehen, erinnern daran. In der Ainmillerstraße entwickelte sich eine Künstlerfreundschaft, die Paul Klee und Wassily Kandinsky am Bauhaus in Weimar und Dessau fortsetzten.
Man kann es nicht ahnen, was für ein Jugendstil-Juwel sich hinter einer Fassade der unter Ensembleschutz stehenden Maximilianstraße verbirgt: die Münchner Kammerspiele im Schauspielhaus. Zunächst wurden sie in den Jahren 1900-1901 vom Architekten Max Littmann als Privattheater mit modernster Bühnentechnik errichtet, später gingen sie in den Besitz der Stadt über.
Herausragend ist die Inneneinrichtung des Theaters von Richard Riemerschmid. Von der Türklinke über die Beleuchtung bis hin zur Bemalung von Zuschauerraum und Foyer ist ihm hier ein Gesamtkunstwerk im reinsten Jugendstil gelungen. Neben Cottbus sind die Münchner Kammerspiele das einzig erhaltene Jugendstiltheater in Deutschland.
Im Theater kann man in ungewöhnlichen Farben und Formen schwelgen, die geschmackvoll eingesetzt sind – von Hellgrün über Grauviolett und Gelb bis zu Hellrot – überraschend in Auswahl und Zusammenstellung. Statt schwerer Lüster erhellen Glühbirnen die Gänge, elektrisches Licht, dessen Erfindung damals erst zwei Jahrzehnte zurücklag, wurde hier mit den für die damalige Zeit modernen Leuchtmitteln inszeniert.
Funktionalität muss Ästhetik nicht ausschließen! Der Name dieser eleganten Brücke erinnert an ihre frühere Nutzung, als Kabel vom Muffatwerk zur Elektrizitätsversorgung über die Isar geführt wurden. Eisenbeton machte die enorme Spannweite der beiden Bögen möglich, weit geschwungen, dabei zart und filigran und auch bei Hochwasser widerstandsfähig. Das Bauwerk steht unter Denkmalschutz, gehörte diese Brücke doch zu den frühesten Stahlbetonbrücken und ist aufgrund ihrer eleganten Jugendstil-Schönheit ein Meisterwerk funktionalen Bauens.
Beim Bummel durch das recht junge Stadtviertel Neuhausen, das erst im Jahr 1890 in die Landeshauptstadt München eingemeindet wurde, stößt man auf viel gründerzeitliches Bauen – dazwischen entdeckt man immer wieder Jugendstil-Juwele. So manches Haus besticht durch Blumendekor, seltsame Fratzen, filigrane Balkongitter, Putten oder Tänzerinnen mit wehenden Kleidern.
Ein besonderes Schmuckstück der Architekten Georg Müller und Hans Lettner findet sich in der Romanstraße 5. Auf der streng gegliederten Fassade kontrastieren zarte Blüten und verschlungene Stängel mit Riffelputz und zwei Stuckpilastern, die mit jeweils einer Eule geschmückt sind. Ein schönes Bild, das unweigerlich an die Eule der Athena, die Göttin der Künste erinnert. Der Giebel des Hauses ist gefüllt mit einem Teppich aus Sternblüten; Reliefs mit Blumen und Ranken setzen weitere, sparsam eingesetzte Akzente. Bemerkenswert ist die zarte Farbigkeit der Fassade in lichtem Grün und Gold – vornehm und edel kommt dieses Haus daher.
Der Name Riemerschmid ist in München bekannt: Die Familie hatte eine Likörfabrik auf der Praterinsel. Richard Riemerschmid studierte an der Akademie der Bildenden Künste. Er war ein Allrounder, einer der herausragenden Künstler des Jugendstils. Als Innenarchitekt gestaltete er die Münchner Kammerspiele, er entwarf luxuriöse Wohnräume und Möbel, Kunsthandwerk und Bestecke. Riemerschmid war mit allen Gewerken vertraut, außerdem war er Mitbegründer der Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk (1898 - 1991) und des Münchner Werkbunds im Jahr 1907.
Handwerkliche Güte der Arbeit, die Echtheit der Materialien und die Ehrlichkeit der Konstruktion sowie die Entsprechung von Ornament und Technik in der Umsetzung waren ein Leitfaden für die Künstler des Jugendstils. Mit diesem künstlerischen Anspruch – der sich bewusst gegen die Massenerzeugnisse der Industrialisierung stellte – wurde der Jugendstil Wegbereiter für die Moderne.
Hier erleben wir Riemerschmid als Maler. Sein Gemälde „In freier Natur“ ist modern und passt in die damalige Zeit. Eine junge Frau steht in einer grünen, von Bächen durchzogenen Auenlandschaft. Die freie Natur füllt fast das gesamte Bildformat mit auffallend hoher Horizontlinie.
Die Dame hat dem Betrachter den Rücken zugewandt. Sie trägt nicht das typische Kleid der Jahrhundertwende, das den weiblichen Körper mit einem Korsett anatomisch unnatürlich in Form schnürte: Brust und Gesäß ausladend geformt, dafür „sans ventre“ den Bauch verschwinden lassend. Die Frauen waren sprichwörtlich in diesem gesellschaftlich geforderten Modeideal gefangen.
Auf unserem Gemälde sehen wir eine Frau im Reformkleid mit so weich fließendem Stoff, als hätte dieser sein Vorbild in den kleinen Wasserläufen der Natur gefunden. Kein Mieder schnürt den Körper ein. Die freie Natur und die Natürlichkeit der anmutigen Frau in ihrem einfachen, fließenden Kleid bilden einen harmonischen, ruhigen Einklang. Richard Riemerschmid hat selbst Kleider entworfen, ein vergleichbares, originales Stück ist im Münchner Stadtmuseum zu sehen.
Thomas Theodor Heine liebte die stimmungsvolle Landschaft rund um Dachau, die er immer wieder in Gemälden einfing. Wie Riemerschmid war auch dieser Künstler vielfältig begabt. Er war Bildhauer, Maler, vor allen Dingen Grafiker, er hat sich aber auch als Autor hervorgetan. Thomas Theodor Heine verdanken wir auch die Erfindung der roten Bulldogge, die zum prägenden Symbol der Satirezeitschrift Simplicissimus wurde. Die Bulldogge mit zerrissener Kette und gefletschten Zähnen steht für das Scharfzüngige, Unerhörte, Pointierte, das diese Satirezeitschrift ausmachte. Sie kam im Jahr 1896 auf den Markt und brachte ihre Künstler wiederholt in Bedrängnis: Sowohl Grafiker als auch die Autoren mussten sich wegen Majestätsbeleidigung verantworten.
Thomas Theodor Heine gehörte, wie auch Frank Wedekind oder Ludwig Thoma, zum Kreis derer, die Monate in Festungshaft verbüßten. Nur dem Verleger der Zeitschrift, Albert Langen, gelang es, sich abzusetzen und einige Jahre im Ausland zu verbringen, bevor er nach München zurückkehrte. Für den Simplicissimus war diese unfreiwillige Publicity grandios. Je größer der Skandal, desto höher die Auflage. Das Erfolgsrezept war einfach: tagesaktuelle, regionale und überregionale Reaktion auf die Politik sowie das gern strapazierte Feindbild „Bayern gegen Preußen“ funktionierten immer, daher waren die Preußen und die kaiserliche Politik stets im Fokus.
Satire hin oder her, auch hier findet sich das Neue, Moderne im Layout, bei den Grafiken der Künstler und im ganzen Erscheinungsbild der Zeitschrift. Auch der Simplicissimus war ein Wegbereiter für die Moderne in München und Thomas Theodor Heine hatte einen ganz wesentlichen Anteil daran.
Als der Künstler Hermann Obrist im Jahr 1896 am Odeonsplatz im Salon Litauer 25 seine teils sehr großformatigen Stickarbeiten präsentierte, wurde das begeistert als „die Geburt einer neuen angewandten Kunst“ wahrgenommen. Die schöpferische Kraft dieser Arbeiten mit stilisierten, abstrakten Motiven aus der Natur wurde international gefeiert.
Pflanzen in ihrer vielfältigen Erscheinung wurden das tragende Motiv des Jugendstils. Pflanzen schmücken Fassaden, formen Möbel und Kunsthandwerk, bringen Oberflächen zum Schwingen, strukturieren Textilien und verwandeln die bildende Kunst nachhaltig. Sie erscheinen spielerisch, streng geordnet, verschlungen, abstrakt verwandelt, fließend oder dynamisch – werden mit Farbe oder in ihrer Struktur hervorgehoben und als Blickfang instrumentiert.
Die frei schwingenden, großzügigen Ranken am Turm der ehemaligen Villa Bechtolsheim in Bogenhausen sind innovativ in ihrer Zeit. Die Stuckornamentik stammt von Richard Riemerschmid. Der Architekt Martin Dülfer gab dem Bau die passende Bühne für den selbstbewussten Jugendstil-Dekor. Die typischen Merkmale seiner Architektur sind: dunkelgrauer, horizontal strukturierter Riffelputz, hochrechteckige Fenster, ein vorspringender Erker sowie die asymmetrisch geformte Fassade mit mächtigem Turm. So verbinden sich weiße Stuckranken und wegweisende Architektur in einzigartiger Schönheit und Harmonie, entworfen von zwei namhaften Protagonisten quasi zur Geburtsstunde des Jugendstils. Bei diesem prächtigen Haus, gebaut für den Ingenieur und Erfinder Clemens Freiherr von Bechtolsheim (1852-1930), handelt es sich sehr wahrscheinlich um das erste Jugendstilhaus in Deutschland.