Sehnsucht nach München oder Lust, die eigene Stadt, vielleicht sogar das eigene Viertel, beim Flimmern auf der Coach wiederzuerkennen? Wie man sich mit sehenswerten Filmen und Serien in den Mediatheken und auf YouTube eine schöne Portion Münchner Lebensgefühl nach Hause holen kann, zeigen diese Sendungen.
Ham's des scho g'hört? Der BR zeigt alle Folgen dieser Serie in Sketchform, die mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde und den bayerischen Paradehumoristen Gerhard Polt von seiner scharfsinnigsten und daher besten Seite zeigt. In diesem Satireklassiker macht sich Polt über Neureiche und das Spießbürgertum lustig und kommentiert kritisch noch immer aktuelle Themen wie Gentrifizierung und Ausländerfeindlichkeit. Gemeinsam mit seiner mindestens so lustigen Partnerin Gisela Schneeberger verbeißt sich Polt in den Paradoxien des Alltags – und der Bösartigkeit seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger. „Fast wia im richtigen Leben“ ist ohne Zweifel irre lustig, auch wenn einem das Lachen manchmal im Hals stecken bleibt. Außerdem sind die Gastrollen mit dem Who's who der bayerischen Großschauspieler und -schauspielerinnen der frühen 80er-Jahre besetzt, wie etwa Helmut Fischer, Ruth Drexel oder Hans Brenner.
Der rothaarige Kobold ist vielleicht das prominenteste Münchner Kindl – sicher aber das durchgeknallteste. Wenn man als erwachsener Mensch den Pumuckl sprechen hört, schwankt man zwischen Staunen und Schmunzeln. Seine Wortneuschöpfungen und Wiederholungen, die krächzende Stimme (eingesprochen von Synchronisationslegende Hans Clarin) und seine Reimorgien sind eine echte Herausforderung – für Zuschauer, vor allem aber für Pumuckls stoischen Ziehvater Meister Eder. Kinder lieben natürlich den frechen Kobold, weil er ständig Streiche ausheckt und extrem gute Laune hat. Erwachsene fragen sich beim Ansehen der Serie allerdings manchmal, welches Aufputschmittel dem rothaarigen Wicht eigentlich verabreicht wurde. Pumuckl ist Kult und Meister Eder der Prototyp des gemütlichen Urbayern, den einfach nichts aus der Ruhe bringt und der einen so schönen Münchner Dialekt spricht, den man heute nur noch sehr selten in der Stadt hört. Bis in die kleinste Nebenrolle und Ausstattung (Frauen in Kittelschürzen, Geranien auf den Balkonen) zeichnet diese Serie das nostalgische und friedvolle Bild eines behaglichen Münchens der 80er-Jahre, an das man sich liebend gern für 25 Minuten erinnert.
Die Kultserie aus den 1980er-Jahren von Franz Xaver Bogner mit dem Soundtrack der 1960er-Jahre zeigt, wie die wilden 68er im Münchner Umland in einem fiktiven Ort bei Ebersberg Einzug halten. Der Jungbauer Alfons Kerschbaumer, von allen aufgrund seines Motorrads, einer NSU „Quickly“ nur Sir Quickly genannt, begehrt gegen die Strukturen auf dem Kerschbaumer Hof auf und begibt sich nach einer heftigen Auseinandersetzung mit seinem Vater mit seinen vier treuen Freunden auf Wanderschaft. Nach verschiedensten Abenteuern, die das Gespann unter anderem auch in der Landeshauptstadt erlebt, und insgesamt zwölf Folgen, kehrt Quickly schließlich mit erstarktem Selbstbewusstsein auf den elterlichen Hof zurück. In der Rolle des Sir Quickly wurde der junge Ottfried Fischer als Schauspieler bekannt. Weitere Hauptdarsteller waren Elmar Wepper, Robert Giggenbach, Olivia Pascal und Toni Berger. Die Titelmusik der Serie stammt von Haindling.
„Wer reinkommt, ist drin.“ So heißt nicht nur die erste Folge dieser sechsteiligen Serie von Regielegende Helmut Dietl, so lautet auch das Arbeitscredo von Klatschreporter Baby Schimmerlos. Nie zuvor und nie danach wurde die Münchner Schickeria filmisch so authentisch eingefangen. Unvergessen ist vor allem der Gastauftritt von Mario Adorf in Folge eins, der einen geltungssüchtigen Generaldirektor spielt, der die Loyalität des Klatschreporters mit Geld erkaufen will. (Zitat: „Ich scheiß dich so was von zu mit meinem Geld, dass du keine ruhige Minute mehr hast.“) Vieles an „Kir Royal“ ist München pur: angefangen von der Musik, die Konstantin Wecker komponiert hat, bis hin zu Hauptdarsteller Franz Xaver Kroetz, der in der Landeshauptstadt geboren wurde – und auch den zahlreichen Aufnahmen aus dem Bayerischen Hof, vom Friedensengel oder der Bavaria. Vor allem aber zeigt Dietl wie schon in seiner anderen Kultserie „Monaco Franze“ (übrigens auch mit allen Folgen aktuell auf YouTube anzusehen), dass Komik und Tragik oft sehr nah beieinander liegen und die beste Beleidigung oft die ehrlichste ist.
Unter dem Namen „Löwengrube“ war das Münchner Polizeipräsidium in der Münchner Altstadt den Einheimischen in der Vergangenheit ein Begriff. Heute lautet die offizielle Adresse Ettstraße 2. Das große grüne Gebäude gleich bei der Frauenkirche ums Eck war und ist immer wieder Drehort zahlreicher Polizeiserien vom „Münchner Tatort“ , über „München 7“, bis hin zu „Monaco Franze“ oder eben auch von „Die Löwengrube“. Letztere zeigt in 32 Folgen das Schicksal dreier Münchner Familien – der Grandauers, der Soleders und der Kreitmeiers – über Generationen hinweg vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1950er-Jahre. Sie ist Familienserie und Krimiserie zugleich, denn die Familienväter der Grandauers, erst Ludwig und später sein Sohn Karl, arbeiten bei der Polizei. Die großen politischen Umbrüche dieser Zeit, nicht zuletzt die beiden Weltkriege, bestimmen den Alltag sowohl auf dem Polizeirevier, als auch im Privaten dieser Münchner Kleinbürger.
Zahlreiche historische Personen tauchen als Randfiguren auf, darunter der einstige Münchner Oberbürgermeister Karl Scharnagl, Heinrich Himmler als Schüler, Adolf Hitler, der als Putschist verhaftet und in die „Löwengrube“ gebracht wird, Rosa Luxemburg, die in München eine Rede hält und der NS-Widerstandskämpfer Pater Rupert Mayer als Häftling. Mit Georg Elsers versuchtem Attentat auf Hitler wird sogar eine ganze Folge bestritten. Die Serie wurde 1992 mit dem Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet.
Die erfolgreichsten Ermittler haben oft die hässlichsten Büros, meist im Souterrain eines ohnehin gesichtslosen Polizeireviers. So ist das bei Jussi Adler Olsens bekannter Thriller-Reihe um den Sonderermittler Carl Mørck und so ist es auch bei „München Mord“. Die Kellerräume teilt sich dort ein Trio bestehend aus dem wunderlichen und etwas in die Jahre gekommenen Kriminalhauptkommissar Ludwig Schaller, dem nicht gerade von Selbstzweifeln gequälten Polizisten Harald Neuhauser und seiner Anfänger-Kollegin Angelika Flierl, von der man munkelt, dass sie nur durch „Vitamin B“ in die Mordkommission gelangt sei.
Während Angelika sich selbst und anderen gerne die Welt erklärt, stets auf der Suche nach (männlichem) Anschluss ist, und dabei oft eine rührende Unbeholfenheit an den Tag legt, gibt Harald eher den Bad Cop und Sprücheklopfer. Ihr gemeinsamer Chef Ludwig ist der wahre Profiler, dem nichts entgeht, und der, wenn es spannend wird, den Kopf nach rechts und links wiegt wie ein Inder und Gelbwurst-Radl direkt aus dem Einwickelpapier verzehrt. Richtig lustig wird es auch, wenn der aalglatte und selbstgefällige Kriminaloberrat Helmut Zangel im Keller vorbeischaut, um schnelle Ermittlungsergebnisse einzufordern. Wann immer Schaller, Neuhauser und Flierl zu Befragungen und Recherchen ausschwirren, ist jede Menge Münchner Lokalkolorit geboten: von Schwenks über die Ludwig- und Maximilianstraße bis hin zur Mae-West-Skulptur in Bogenhausen oder dem Mariahilfplatz in der Au. Auf ihre unverwechselbare Art haben die drei mittlerweile bereits 22 Episoden von „München Mord“ erfolgreich bestritten.
„Servus Baby“ liebt zwischenmenschliche Beziehungen, die ehrlich, manchmal überfordernd und oft überraschend warmherzig gezeigt werden. Hier dient München nicht nur als Kulisse, sondern prägt mit seinem Lebensgefühl und seinen Gegensätzen die Handlung spürbar. Im Mittelpunkt steht die Münchnerin Lou, die von ihrem langjährigen Freund verlassen wird, nachdem er eine Arbeitskollegin geschwängert hat. Mit gebrochenem Herzen und einer Mutter, die sie unablässig mit ihrem Enkelwunsch unter Druck setzt, wagt Lou den Schritt zurück in den turbulenten Münchner Single-Zirkus. Die Verbindung aus Münchner Alltag, Leichtigkeit und emotionalem Tiefgang macht „Servus Baby“ besonders sehenswert.
München ist an Serien, die das Lebensgefühl der Stadt einfangen, nicht arm – gleichwohl hat man das Gefühl, dass sich seit Helmut Dietl und seinem legendären „Monaco Franze“ nicht mehr viel getan hat. Jetzt könnte es endlich sein, dass ein Update da ist: „Fett und Fett“ heißt die Miniserie, die die Geschichte von Jaksch erzählt. Der ist Ende zwanzig, lebt in den Tag hinein, beziehungsweise „sandelt rum“, wie man in München so schön sagt. „Im Prinzip ist alles o.k.“, meint Jaksch, trotzdem ist er auf der Suche: nach einem Job, Struktur, der großen Liebe – und landet abends dann doch wieder meistens in der Cucurucu-Bar im Bahnhofsviertel mit einem Bier in der Hand. Die Serie spielt im Sommer und sie erzählt charmant von kleinen Alltagsabsurditäten und vom Gefühl, als leicht orientierungsloser Endzwanziger in München zu leben. Aber völlig unabhängig vom eigenen Alter und Geschlecht lohnt es sich, „Fett und Fett“ anzusehen: denn neben den vielen schönen München-Aufnahmen, etwa von der Isar, steckt doch in jedem ein bisschen etwas von Jaksch.
Die Dokumentation ist keine trockene Stadtgeschichte, sondern ein charmanter Streifzug zu den Plätzen in München, die den beiden Machern besonders gut gefallen. Man lernt allerhand, vor allem aber fängt man an, im Kopf Listen zu erstellen: von den Orten, die man als erstes besuchen wird, wenn man nach München kommt.
Die Geschichte der erbitterten Fehde zwischen dem fränkischen Großbrauer Curt Prank und der Familie Hoflinger, Inhaber einer kleinen Münchner Traditionsbrauerei, wird in zwei Staffeln mit insgesamt zehn Folgen bis in das Jahr 1905 erzählt. Die auf einer wahren historischen Begebenheit beruhende Serie zeigt Prank auf dem Weg zur Verwirklichung seines ehrgeizigen Vorhabens: Eine Bierburg für 6000 Gäste auf dem Oktoberfest zu errichten. Wer sich seinem Traum in den Weg stellt, wird zur Seite geschafft, bestochen oder erpresst. Die Liebesbeziehung seiner Tochter Clara zum Hoflinger Sohn Roman kommt Prank bei seinem Aufstieg denkbar ungelegen und droht bei all dem Hass auch immer wieder zu zerbrechen. Die düster-traumhaften bis traumatischen Bilder, mit denen das München und die Wiesn von damals wieder heraufbeschworen werden, lassen einen wohlig schauern. Aber mei, so teilweise rauh und unwirtlich wird es wohl gewesen sein.
Zu Beginn der vier Folgen von „Oktoberfest 1905“ haben Curt Prank und Roman Hoflinger einen Pakt geschlossen, in dessen Folge die Bierburg Wirklichkeit wird und beide Parteien maximal davon profitieren. Was aber noch lange nicht das Ende des Machtkampfs zwischen den beiden Familien bedeutet. Attraktiv ist die Serie wegen der zeitgeschichtlichen München-Bezüge mit wahrem Hintergrund. So tauchen auch berühmte Institutionen wie das Hotel Deutsche Eiche oder Mitglieder der Münchner Kulturszene und Bohème an der Schwelle zum 20. Jahrhundert, wie Franziska zu Reventlow oder Thomas Mann, im Geschehen auf. Auch sind die beiden Staffeln mit Darstellern wie Mišel Matičević, Martina Gedeck, Brigitte Hobmeier und Maximilian Brückner sowie Nachwuchstalenten wie Klaus Steinbacher und Mercedes Müller hochkarätig besetzt.