Die Reichenbachstraße in München

Besondere Straßen: Reichenbachstraße München

Lebendig wie das Glockenbachviertel

Die Reichenbachstraße verbindet zwei der wichtigsten Orte Münchens miteinander: die Isar und den Viktualienmarkt. Aber nicht nur das – mit dem Gärtnerplatz, den kleinen Läden und einladenden Café-Terrassen ist sie lebendig wie keine zweite.

Wenn man sich die Reichenbachstraße von oben ansieht, dann weiß man, warum Straßen auch oft als pulsierende Lebensadern bezeichnet werden. Die vielleicht wichtigste Straße im Glockenbachviertel verbindet nämlich nicht nur zwei Münchner Sehenswürdigkeiten miteinander – die Isar und den Viktualienmarkt – sondern schenkt auch dem ganzen Viertel Atmosphäre. Die Reichenbachstraße ist so lebendig, sie ist die perfekte Verlängerung vom quirligen Gärtnerplatz.

Die Reichenbachstraße ist so lebendig, sie ist die perfekte Verlängerung vom quirligen Gärtnerplatz.

Diese Lebendigkeit spürt man, wenn man an diesem immer perfekt bepflanzten Platz sitzt – egal, ob mittags mit einem Snack oder abends bei einem Feierabendbier. Die Bänke hier sind wie Kinosessel, es gibt immer etwas zu sehen. Man spürt das Leben, wenn die Leute am Samstag mit ihren Einkäufen vom Viktualienmarkt nach Hause laufen. Wenn Münchner Designer*innen auf kleinen Hockern mit einer Kaffeetasse in der Hand vor ihren Läden sitzen und ratschen. Oder wenn man im Sommer die Straße entlang radelt, vorbei an der Terrasse vom Trachtenvogl, die zu jeder Zeit gut besucht ist.

 

Ein echtes Urgestein: Der Naturschmuck-Laden von Christian

Was die Reichenbachstraße definitiv besonders macht: Urgesteine wie der Trachtenvogl reihen sich an neueröffnete Pop-Ups. Einige der Kneipen, Läden und Cafés gibt es schon viele Jahrzehnte – wie das Café Crème (Reichenbachstraße 24), die Bar Holy Home (Reichenbachstraße 21) oder die Buchläden von Wortwahl (Reichenbachstraße 15). Einer, der ebenfalls schon lange da ist, ist Christian Oswald mit seinem Natur Schmuck Design. Der Künstler und Schmuckdesigner ist Autodidakt, eigentlich gelernter Koch und Konditor, und hat vor über 20 Jahren den Laden in der Reichenbachstraße eröffnet. Dort entstehen nur Unikate aus Naturmaterialien: Ketten, Armbänder, Ohrstecker sowie Eheringe.

„Ich mache viel Upcycling“, erzählt Christian, als wir in seinem kleinen Laden stehen, der zugleich Werkstatt ist. „Viele Kunden bringen mir ihre Fundstücke und ich gestalte etwas daraus, entweder nach ihren Wünschen oder ganz frei!“. Generell macht es ihm einfach Spaß, wenn aus etwas Altem Neues entsteht. Die Materialien sind dabei so einzigartig wie die Anfertigungen – das können Gold und Silber, aber auch Muscheln, Steine oder andere Besonderheiten sein. So zeigt uns der Designer ein paar Ketten, in dessen Anhänger er präparierte Käfer verarbeitet hat. Oder eine Schneckenhaus-Sammlung, die er zuletzt von einer Kundin geschenkt bekommen hat.

Einige der Kneipen, Läden und Cafés gibt es schon viele Jahrzehnte – wie das Café Crème, die Bar Holy Home oder die Buchläden von Wortwahl.

Durch seinen Stand am Tollwood-Winterfestival hat der Künstler mittlerweile viel Stammkundschaft. Schon seit 1996 verkauft er dort Ohrringe, Halsketten, Unikate und eigene Kunstwerke. Was mag Christian an dieser Straße, diesem Viertel, das sind in den letzten Jahrzehnten doch sehr verändert hat? „Ich fühle mich hier sehr wohl, auch mit dem Theater gegenüber und den netten Nachbarn wie dem Juwelier, den es auch schon sehr lange gibt. Meine Mittagspause verbringe ich gerne in der Glockenbachwerkstatt, dort koche ich auch noch zwei Mal im Monat.“

Shopping in der Reichenbachstraße – von Vintage bis 'Made in München'

Apropos Essen – wir verabschieden uns von Christian und essen im Trachtenvogl zu Mittag. Pasta und Halloumi-Salat von der Tageskarte, beides wie immer fantastisch und nicht teuer. Man kann sich die Reichenbachstraße nicht mehr vorstellen ohne das nette Café, das früher auch noch Bar war. Drinnen knistert im Winter das Lagerfeuer auf Retro-Fernsehern, während man ins Sofa sinkt und sich zwischen Dutzenden Kakao-Sorten entscheiden muss. Im Sommer sind die Sonnenplätze auf der Terrasse heißt begehrt. Die Kellner*innen sind nett, das Essen ehrlich lecker – was will man mehr?

Von der Terrasse aus schauen wir direkt auf vier Shopping-Perlen im Viertel – allesamt von Münchnerinnen geführt. Da ist das lokale Label akjumii (Reichenbachstraße 36): Die beiden Designerinnen Michaela Wunderl-Strojny und Anna Karsch entwerfen schon seit 2012 minimalistische Mode für Männer und Frauen. Die Kleidungsstücke, so gut wie immer aus Naturmaterialien, entstehen direkt vor Ort im Atelier. Die vordere Ladenfläche ist oft an andere Labels vermietet, gerade stehen hier hunderte Pflanzen, ein richtiger Dschungel. Nebenan ist WE.RE (Reichenbachstraße 30), ebenfalls ein weiblich geführtes Modelabel aus München: Bei Katharina Weber und Theresa Reiter gibt es handgemachte Mode aus nachhaltigen Materialien produziert in München.

Die Reichenbachstraße ist voller Kontraste. Nur wenige Straßen schaffen diesen Spagat: Am Puls der Zeit und trotzdem darf das Alteingesessene bleiben.

Unter der Hausnummer 30 sollte man außerdem auf keinen Fall den Capricorn Store verpassen. Dieser setzt auf ausgewählte Second-Hand-Mode und trotzdem fühlt man sich wie in einer schicken Boutique. Betreiberin Stephanie Zürn hat nur eine gewisse Anzahl an Kleiderbügeln im Laden hängen – das heißt: Erst, wenn ein Teil verkauft wird, darf ein neues einziehen. Angefangen hat sie mit den Kleiderschränken ihrer Freundinnen, mittlerweile kommen die ausrangierten Designerteile von Kundinnen aus der ganzen Stadt. Und ein Neuzugang ist der Showroom der Münchner Designerin Saskia Diez: Nach vielen Jahren in der kleinen Geyerstraße ist die Schmuckdesignerin nun in die zentralere Reichenbachstraße gezogen!

Medo vom Homegirl Store: Skandinavische Mode & wechselnde Pop-Ups

Skandinavische Mode findet man dagegen im Homegirl Store. Betreiberin Medo Diet wollte einen Laden für Frauen eröffnen, in dem man sich sofort wohlfühlt – und das ist ihr gelungen. Während man als Kundin durch die hochwertige, feminine Kleidung stöbert, läuft im Hintergrund Hip Hop und irgendjemand sitzt immer mit einem Drink oder Kaffee vor dem Laden. „Ich habe das Gefühl, die Kunden wollen momentan weniger in die großen Ketten und mehr in die lokalen Geschäfte! Und das ist auch das Besondere an der Reichenbachstraße, das hat man sonst nirgendwo in München, dass noch so viele Besitzer selbst hinter der Theke stehen“, erzählt Medo.

Nirgendwo sonst in München sieht man noch so viele Ladenbesitzer selbst hinter der Theke sitzen!

Seit neun Jahren betreibt sie ihren Homegirl Store in der Reichenbachstraße – die ersten vier Jahre noch auf kleinerer Ladenfläche auf der anderen Straßenseite, seit fünf Jahren unter der aktuellen Adresse. Aber es soll sich bald wieder etwas ändern: Ab Sommer 2026 wird der Store vor allem Platz für Pop-Ups mit verschiedenen Brands schaffen. Medo kommt aus dem Event-Bereich und erklärt: „Wir wollen mehr Menschen eine Fläche geben und aus dem klassischen Einzelhandel bin ich ein bisschen rausgewachsen!“. Als Medo ihren Laden 2018 eröffnete, war die Reichenbachstraße auch schon sehr gut besucht, aber die letzten Jahre kamen immer mehr Besucher*innen dazu.

Die Reichenbachstraße: Zwischen Flat White und Filterkaffee

Die Reichenbachstraße ist voller Kontraste. Nur wenige Straßen schaffen diesen Spagat: Am Puls der Zeit und trotzdem darf das Alteingesessene bleiben. Flat White und Filterkaffee. Eine der wenigen Straßen, die trotz Modernisierung und Veränderung ihr Gesicht nie verloren hat. Die verbindende Straße im Glockenbachviertel sieht immer noch spannend aus, fühlt sich spannend an. Man findet hier zwar die skandinavische Interiorkette, aber eben auch den Antiquitätenladen mit ausgesuchten Einzelstücken. Die Straße ist organisch gewachsen, sie verstellt sich nicht. Und bietet ihren Gästen zwischen der Isar und dem Viktualienmarkt eine willkommene Verschnaufpause an.

 

 
Text: Anja Schauberger; Fotos: Frank Stolle, Christian POGO Zach
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